CD-Booklet
Sonho Brasileiro
Grenzen sind gestern. Die Welt - ein Dorf.
Obwohl Felicitas Stephan und Wolfgang Lehmann an derselben Hochschule studierten, bedurfte es vieler Jahre und einer Reise nach Spanien, bis sie sich kennenlernten. Als sie sich 1996 schließlich im mallorqui nischen Soller trafen, glich dies einer kreativen Faszination auf den ersten Ton: Beide in der Klassik zuhause, aber mit einer Seele, die Lateinamerikanisches spürt.
Ein Duo entstand, das sein dramatisches Temperament in den großen Werken der spanischen nationalen Schule ebenso zum Ausdruck zu bringen vermag wie in den Pretiosen alter Musik.
"Brasileiro" ist weder klassisch noch ehrwürdig.
Es ist vielmehr eine Verbeugung vor großen Kompositionen der brasilianischen Gegenwartsmusik. Ihren Urhebern, allesamt polyglotte Weltbürger, geriete ein jeder Grenzbegriff zum Gefängnis ihrer Originalität:
So verleugnen denn auch die Werke von Villa Lobos, Almeida, Gnattali, Gismonti und Zenamon nie ihre lateinamerikanischen Wurzeln. Sie vereinen vielmehr in brillantem
Cross-Over die beispiellose, traditionsverbundene Rhythmik und Melodik brasilianischer Folklore mit Stilelementen des amerikanischen Jazz und Fragmenten europäischer Kammermusik.
Wolters schließlich, gebürtiger Deutscher, webt ebenfalls brasilianisches Kolorit in seine erdverbundenen Kompositionsmuster. "Wood Seasons", eine Hommage an den Zyklus von Werden, Leben und Vergänglichkeit, sind eine Ersteinspielung - gewidmet dem Duo Felicitas Stephan und Wolfgang Lehmann.
Grenzüberschreitend nicht zuletzt der unkonventionelle Dialog zweier durch Tonlage, Material und Form verwandten, und doch so gegensätzlichen Instrumente. Dabei läßt erst die rhythmische Potenz der Gitarre die gesangliche Saudade des Violoncellos geradezu körperlich spürbar werden: jene kollektive brasilianisch-portugiesische Wehmut, die menschliche Sehnsucht nach Vereinigung des Unvereinten.
"Brasileiro" ist meisterhafter Ausdruck dieses Sehnens:
Der Traum von einer Welt jenseits der Grenzen, in der die Seele den Verstand regiert.
© B. KAHLE 4/99
Borders are yesterday. It´s a small world.
Felicitas Stephan and Wolfgang Lehmann studied at the same conservatoire. However, it took many more years and a trip to Spain for their professional partnership to flower.
It was at Soller on the island of Mallorca during 1996 that their unique creative synthesis blossomed. Both were accomplished classical musicians but from their first chord it was equally apparent they shared a mutual sensibility of Latin American soulfulness.
"Brasileiro" is neither classical nor venerable but more of a tribute to the greatest compositions of Brasilian contemporary music. The original creators, Villa Lobos, Almeida, Gnattali, Gismonti and Zenamon, are all polyglot cosmopolitans whose work breaches formal boundaries yet always acknowledges Latin American roots. Consequently, "Sonho Brasileiro" synthesises a dazzling amalganation of Brasilian folk melodies and rhythms with diverse elements of American Jazz and European chamber music.
Wolters, finally, a native German, likewise weaves Brasilian colour into his earthy patterns of composition: "Wood Seasons" is Wolters´ homage to growth, life and change. Its recording debut is played by the duo Stephan & Lehmann to whom its composer Wolters specially dedicated the piece.
Musical boundaries are also exceeded and breached by the unconventional dialogue which is established between Lehmanns´ guitar and Stephans´ Cello. Their instruments complementary pitch, material, substance and shape also breed musical contrasts. The guitars´ rythmic potency enhances the Cellos´ vaocal Saudade - that collective Brasilian-Portuguese wistfulness, that human yearning for uniting the ununited.
"Brasileiro" is a superb rendition of this longing - the dream of a world beyond furtherest frontiers where soul rules over reason.
In Zusammenarbeit mit: Julian Putkowski
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